Ihre berufliche Technologie-Erfahrung hat mit Mikrofilmen angefangen und bei CAD-/CAM-Sytemen als technische Zeichnerin aufgehört. Heute steht sie vor Alltagsaufgaben, die für jemanden mit schnellem Internetzugang und Laserdrucker nur ein paar Klicks bedeuten. Und da fragt sie doch gern die jüngere Generation um Hilfe. Wenn dann der elektronische „Papierkram“ ausgefüllt und ausgedruckt ist, kommt ein lobendes „Ach Tochter, was Du alles weißt und kannst“. Ich weiß, dass man das relativieren muss, aber es freut mich, wenn ich helfen kann. Und weil alles so schnell erledigt war, hatten wir Zeit um den sonnigen Abend zu genießen und noch eine Kleinigkeit essen zu gehen.

Dass es in der coolen Bar des Hotels gleich nebenan Currywurst gibt, fand sie ungewöhnlich, aber sie war neugierig. Also haben wir uns zwischen arbeitende Manager, coole „After-Work-Professionals“ und etwas verloren wirkende Reisende aus sehr fernen Ländern auf die Barhocker gesetzt und Currywurst bestellt.

Das Mutter-Tochter-Gespräch ging von Komodowaranen und Familieninterna bis hin zu Landtagswahlen. Leider unterbrochen von ein paar Telefonaten und Nachrichten meinerseits.

Nachdem ich mich für ein etwas längeres Gespräch mit meinem Smartphone in eine Ecke verzogen hatte, kam ich zerknirscht wieder an unseren Tisch: „Entschuldige, dass Du warten musstest“. Worauf sie lächelnd einen ihrer Lieblingssprüche zitierte, der in ihrer Küche hängt: „Alles wird gut, für den der warten kann“.  Sie machte mich dann auf interessante Interieur-Details in der Bar aufmerksam und auf spannende zwischenmenschliche Transaktionen an der Bar, die sie bemerkt und beobachtet hatte, während sie wartete.

Wann habe ich das letzte Mal genussvoll gewartet und mir dabei einfach nur wertfrei meine Umwelt angeschaut? Kommt nicht so häufig vor…

Mein Vorsatz: Zukünftig öfter mal kleine „wait and see“ Pausen im turbulenten Projektmanager-Alltag nutzen, statt sich über nicht pünktlich stattfindende Besprechungen oder verspätete Telefonate zu ärgern!

„Ach Mutter, was du alles weißt und kannst!“

Ihre
Susanne Neuhaus