Die Arbeit kann in unterschiedlich gestalteten Büros getan werden, Homeoffice ist eine selbstverständliche Option, genauso wie jeder andere Teil der Welt, der über einen Internetanschluss mit ausreichender Bandbreite verfügt. Kreativer Austausch bei einem Spaziergang am Rheinufer oder eine Besprechung mit „mit vollem Mund“ in der Küche, das formlose Gespräch in den Lounge-Sesseln oder „Telco in the Box“… was bisher pragmatisch sowieso schon gemacht wurde, ist nun Programm, kriegt einen hübschen Namen und ein paar Spielregeln – richtig gut und ganz einfach!

Unsere Projektmanagement-Berater kennen ja alle möglichen Arbeitsumgebungen: Beengte Go-Live-Leitstände mit Laptop an Laptop, sehr persönlich dekorierte Schreibtische von Mitarbeitern die grade krank sind oder auch den vorläufig zum Beraterbüro umfunktionierten Druckerraum. Daher ist es für sie auch selbstverständlich, sich auch an den Bürotagen bei uns im Office ganz flexibel den Arbeitsplatz zu suchen, der grade sinnvoll ist. Nur kurz die Reisekosten fertigstellen: „Dazu reicht der Stehtisch in der Social-Area“. Sich mit der Kollegin auszutauschen, die man lange nicht mehr gesehen hat: „Komm, wir setzen uns heute in ein gemeinsames Büro“. Eine Telefonkonferenz nach der anderen: „Da brauche ich ein separates Büro und mache die Tür zu“. Kein Problem, meine Laptoptasche ist mein Büro. Dicke Aktenorder, Nachschlagewerke oder Papierstapel – undenkbar.

Und jetzt sollen alle mitmachen. Kein Problem! Kein Problem?

Meine Aufgabe war es in den letzten Tagen, unsere große Bücherwand auszuräumen. Die muss den schicken neuen Fächern weichen, in dem die Mitarbeiter ihre persönlichen Sachen unterbringen.
Nun bin ich in dem Alter, in dem man noch mit Büchern aufgewachsen ist, „old School“, so aus Papier, mit Post-It‘s drin und mit Textmarker oder Bleistift bearbeitet, Nachschlagewerke in denen ein Wissensgebiet auf 2 kg Papier vollständig erklärt wird. Ich kann mir ein Leben ohne e-Books und die Audible-App auf dem Smartphone zwar nicht mehr vorstellen, aber für die wichtigen Themen brauche ich eben immer noch Bücher aus Papier, am liebsten  mit Hardcover-Umschlag. Ich liebe alte Bibliotheken, vergebe regelmäßig Aufträge an eine sehr begabte junge Buchbinderin und freue mich, wenn ein Buch schön gestaltet ist und ein Lesebändchen hat.

Und jetzt habe ich ein echtes Problem: Ich stehe vor einem Stapel Kartons voller Bücher und muss „paperless-office“-Entscheidungen treffen. Na gut, die Software-Kompendien, die vor 12 Monaten noch regelmäßig konsultiert wurden sind nach der letzten Softwareumstellung nur noch Altpapier…das ist einfach. Viele Werke, die einen coolen Titel haben, heiter zu lesen waren, aber genauso gut als Hörbuch funktionieren, können auch weg. Die kleinen Heftchen die alle möglichen Fähigkeiten „in 30 Minuten“ vermitteln, brauchen auch nicht aufgehoben zu werden. Aber dann wird es schwierig…so ganz ohne Bücher? Geht doch nicht - oder?  Naja, macht zumindest keinen Spaß. Okay, da muss ich halt mit den Akten etwas sparsamer sein, dann habe immer noch einen Schrank für Bücher übrig :-).

Und so stehen jetzt (auch nach resolutem Ausmisten) immer noch ein paar Klassiker der Kommunikation und Konfliktlösung dichtgedrängt neben robusten Managementtheorien, die antiken Weisheiten neben den drei praktischen Wälzern von Microsoft und zwei Duzend der wirklich guten Projektmanagement-Bücher teilen sich den raren Platz mit ein paar Kinderbüchern. Die Weisheit lauert ja bekanntlich überall…oder hätten Sie „Pu der Bär in Nadelsteifen“ und „You are a Leader, Charly Brown“ weggeworfen?

Ihre
Susanne Neuhaus